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Telekonverter - eine Glaubensfrage

Der Einsatz von Telekonvertern zur Verlängerung der Brennweite eines Objektivs ist seit jeher eine Glaubensfrage. Sicherlich ist es reizvoll, ein 200mm-Teleobjektiv mit nur geringem finanziellen Aufwand in ein 280mm Objektiv zu verwandeln - aber ob die resultierende Abbildungsleistung am Ende noch die Erwartungen erfüllt, ist fraglich.

Die akademischen Tests sind hier eindeutig: "Besser werden die Bilder beim Einsatz von Konvertern nicht...". Gut - das ist klar. Die Frage ist: wie sehr fällt dieser Verlust in der Praxis auf?

Ich war am vergangenen Wochenende nach längerer Abstinenz mal wieder im Tiergarten Nürnberg unterwegs. Einerseits um meine neue Jahreskarte abzuholen (WOOOOOHOOOOOOOOOO!!!) - und andererseits, um genau diese Frage zu klären:


Lohnt sich der Einsatz von Konvertern überhaupt!?

Um es schon vorweg zu nehmen: So einfach wie im Testlabor kann die Frage nach den Vor- und Nachteilen des Telekonverters im Feldeinsatz nicht beantwortet werden. Da kommt viel zusammen, das man berücksichtigen muss.

Zum Einstieg aber zunächst: die Testbedingungen und das Testgerät

Verwendete Ausrüstung beim Testshooting:

Canon EOS 6D - meistens im TV Modus mit ISO Limit auf 6400, selbstverständlich RAW
Canon EF 200mm f2.8L USM II ("Lucy")
Canon EF 70-200mm f2.8L IS USM ("Eve")
Kenko C-AF 1,4x Teleplus MC4 DGX

Wetter: Sonnig, jedoch in unterschiedlichsten Ausleuchtungssituationen an den Gehegen

Alle Bilder nachbearbeitet in Lightroom 5.x ohne externe Tools.
Die nachfolgenden Analysen bewegen sich teilweise schon in fanatischen Schärfebereichen, die in der Vollansicht normalerweise niemandem auffallen würden.
Beim Einsatz eines z.b. 17-270mm Monsterzoom der Consumer-Class (das ohnehin von der Schärfeleistung in wesentlich niedrigeren Flughöhen rangiert...) fällt auch der Einsatz eines Konverters vermutlich nicht mehr ins Gewicht....

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Der Testlauf startete in Nürnberg ritualmäßig mit dem Durchschreiten des Manati-Hauses, einem Tropenhaus mit gefühlten 30 Grad Temperatur und 7000% Luftfeuchtigkeit. (Anmerkung: hier wird übrigens allein schon durch die Umweltbedingungen technische Spreu von Weizen getrennt - die wenigsten Kompaktkameras überleben den Klimawandel von 4°C Außentemperatur bis ins Innere des Manati-Hauses ohne gnadenlos beschlagene Linsen, die sich dann auch durch diverse Heissluftfönaktionen nicht wieder säubern lassen)

Der heutige Plan im Tropenhaus: Schmetterlinge.
Hier kam ausschließlich Lucy vor dem Kenko-Konverter zum Einsatz. Der Konverter verringert die luxuriöse f2.8 auf immer noch geschmeidige 4.0 - das reicht, um innerhalb der gesteckten ISO-Range noch vernünftig im TV Modus bis 1/2000s arbeiten zu können. Die Schmetterlinge im Flug zu treffen ist jedoch mit den jeweiligen Brennweiten >200mm nicht gelungen. Sitzende Insekten jedoch dafür einige. In dieser Situation zeigte der Konverter im Nahbereich bis ca 3m keinen merklichen Schärfeverlust - zumindest keinen Verlust, der über das ohnehin vorhandene ISO-Rauschen hinaus geht.

Nächste Station: Menschenaffen und die kleinen Totenkopfäffchen am Giraffenhaus. Hier ebenfalls: Lucy & Kenko-Konverter. Was hier aufgefallen ist: bei Offenblende ist deutliche Vignettierung zu sehen - das muss Lightroom dann wohl wieder ausbügeln. Ob das am Vollformat der 6D liegt....da müsst ich den Konverter nochmal genauer nachlesen. Angeschafft wurder der ja für die 7D - und die hat APS-C.
Aber wieder - insbesondere bei den Totenkopfäffchen (wieder Distanz 3-5m) - keine wahrnehmbare Schärfeverluste zu verzeichnen.

Weiter zum Raubtiergelände. Hier beim Tiger der erste Objektiv-Wechsel. Es spielen nun: Lucy solo - und Eve mit dem Konverter.
Warum das? Das Raubtiergelände lag zu der Tageszeit noch im Schatten, und ich wollte bei den Fotos von Tiger & Co. mit den ISO-Werten unter 800 bleiben. Da hilft der IS des großen Zooms doch, die resultierenden Verschlusszeiten zu halten.

 

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Fullsize: Tiger in Fullsize

Der rote Rand zeigts: das hier ist MIT Konverter-Einsatz. Also: 70-200mm bei 200mm und dazu noch der 1.4x Konverter. Das sind dann 280mm.
Eve ist konstruktionsbedingt schon kein Wunder an Schärfe - zusammen mit dem Konverter UND dann noch mit Crop von gut 50% in Lightroom - dass hier der Fokus auf den Augen noch so knackscharf ist, hat mich überrascht.

Die anderen Tiger-Fotos sind ohne Konverter - nur mit Lucy. Die ihrerseits verkörpert das angesprochene Wunder an Abbildungsleistung - und das kommt hier auch klar zur Geltung. Da passt alles - fast immer! Besonders bei Graureiher und Kronenkranich (also bei weiteren Schussentfernungen) hätte bzw. hat Eve und eine beliebige Kombination mit dem Kenko-Konverter keine so knackscharfen Konturen und Kontraste zustande gebracht.

Negativbeispiel für den Kenko: Der Storch auf dem Dach des Giraffenhauses.
Zugegeben: hier liegen ohnehin schon schwierigere Bedingungen vor, aber insbesondere am Schnabel zeigen sich deutlich verwaschene Kanten.

 

image1

Fullsize: Storch in Fullsize

 

Fazit:
In der Nah- und Mitteldistanz bis 10m zeigen die Fotos mit dem Kenko-Konverter keinen merklichen Schärfeverluste. Bei weiteren Entfernungen und direkter Sonneneinstrahlung scheint sich aber der Konverter bemerkbar zu machen. In der Vollansicht kommen diese Verluste noch nicht sonderlich zum Tragen, aber tiefere Crops sind hier nicht mehr möglich, ohne ästhetische Grenzen zu überschreiten.

Wenn ich nur einen Schuss sicher setzen könnte (z.B. Wildlife-Shots - weil das Wild nach dem ersten Burst üblicherweise flieht...), dann würde ich auf den Konverter verzichten. Die knapp 1/3 mehr Brennweite entspricht in etwa dem, was ich im Postprocessing mehr croppen könnte.
Wenn die Situation mehrere Fotos und einen zwischenzeitlichen Objektivumbau zulässt, dann spricht - nach einem ersten sauberen Bild ohne Konverter - nichts dagegen, die Möglichkeiten mit Konverter auszuloten und zu Hause dann auszuwerten, welches die bessere Alternative ist. Wie gezeigt: in manchen Situationen erzeugt der Konverter durchaus ansprechende Ergebnisse.

Ein wirklich und wahrhaftiger vollwertiger Ersatz für eine längere Brennweite ist der Konverter nicht. Dafür müssten die erreichten Ergebnisse gleichförmiger sein.

 

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Fotostrecke "Konverter-Test in Nürnberg" 

In der Bildergalerie sind einige Vergleichsfotos gezeigt - allerdings hochgeladen auf Facebook und von daher verlustbehaftet.
Roter Rand: mit Konverter
Weisse rand: ohne Kovnerter

 

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